Liebe kommerziell – Tausch und Kauf

Let the poets pipe of love
In their childish way
I know every type of love
Better far than they.

Cole Porter
Ist es Lust, Liebe oder Kommerz?

Die Liebe wird in dem Lied als Dienst angeboten, weitgehend frisch und unverbraucht, bestenfalls leicht anrüchig. Im Warenkorb, so lässt Cole Porter singen, seien alle Arten der Liebe – bis auf die wahre Liebe.

Das höchste Gut – ein Tauschobjekt?

Allerdings gilt es als Frevel, Liebe kommerziell anzubieten. Sie gilt als das höchste Gut, wenigstens in der Form der „Wahren Liebe“. Beinahe noch stärker tabuisiert ist es jedoch, für die reinen Begierden Angebote zu bevorraten und zu vermarkten.

Ziehen wir einmal den Schleier des Anrüchigen ab. Dann finden wir, dass Liebe im Tauchhandel gegen andere begehrenswerte Güter durchaus eine ehrbare Geschichte hatte. Wie wissen genau, was der biblische Jakob für die Liebe zu Lea zu zahlen hatte. Wir können noch nachlesen, was es den Kaufmann im 19. Jahrhundert kostete, seine Tochter per Konvenienzehe zu verhökern. Niemand nahm daran Anstoß – so war es eben.

Im 21. Jahrhundert zeigen sich die Verhältnisse völlig anders: Jeder ist Eigentümer seiner selbst, und jeder kann mit jedem tauschen, was er möchte. Frauen können sich Männern anbieten, und dabei geht es weit mehr als den „Körper zu konsumieren“. Getauscht wird alles, was reichlich vorhanden ist – und das Tauschgut ist immer das, worin ein Mangel besteht. Ob echte Gefühle, eingebildete Gefühle, vorgetäuschte Gefühle – alles hat am Markt seinen Wert.

Der Ökonom Walter Block sagt es mit ernüchternder Offenheit:

Tatsächlich sind alle freiwilligen menschlichen Beziehungen, von der Liebesbeziehung (bis zur) intellektuellen Beziehung Tauschgeschäfte. Im Fall romantischer (1) Liebe und Heirat werden Gefühle, Aufmerksamkeit und Liebenswürdigkeit getauscht“

Zitiert nach: Ökonomie der Sexualität

Allerdings versuchen nun zahllose Menschen, immer etwas weniger zu geben, als sie zu bekommen hoffen. Dabei kommt es nicht darauf an, welchen Wert etwas „tatsächlich“ hat, sondern welchen Wert die Person ihrem Tauschobjekt zumisst.

Das heißt mit anderen Worten: Manche Menschen tauschen Ressourcen, von denen sie reichlich haben und denen sie keinen großen Wert beimessen, gerne gegen solche, von denen sie wenig haben, die ihnen aber als sehr begehrenswert erscheinen.

Annäherung: Tausch ist in Ordnung, Kauf nicht?

Und es heißt auch, dass flüchtige Dienste und kleine Geschenke durchaus gegen handfeste Werte getauscht werden, seien es Eheschließungen oder Cabriolets. Doch während der Austausch von nichtmateriellen Leistungen und Erwartungen bestenfalls belächelt wird, gilt der Tausch der sinnlichen Gunst gegen materielle Güter als frevelhaft.

Bei diesem Satz sind wie am Rand dessen angekommen, was für viele humanistisch-akademisch gebildeten Leserinnen erträglich ist. Und wir sind an einer Trennlinie angekommen: dem Unterschied zwischen Kauf und Tausch.

Ein Tausch kann aus beliebigen Aktionen bestehen, und welche Emotionen und Gaben dabei ausgetauscht werden, geht den Rest der Welt nichts an.

Der Kauf der Liebe ist der Kauf von Illusionen

Beim Kauf von Emotionen, also Freundschaft, Liebe oder sexueller Erfüllung, ist alles anders: Hier werden zu einem gewaltigen Anteil Illusionen verkauft, weil eine(r) der Partner(innen) etwas anbietet, was eigentlich nicht käuflich ist. Das bedeutet: Der Verkäufer oder die Verkäuferin muss Freundschaft, Liebe und sexuelle Lust heucheln. Das zieht oft nach sich, dass sich die Verkäufer(innen) schämen oder gar ekeln. Andererseits wissen wir aber von Persönlichkeiten, die abgebrüht genug waren, über geheuchelte Liebe Menschen in die Unfreiheit, die Abhängigkeit oder in andere Zwickmühlen zu bringen. Sie sind im Bereich der Agentinnen und Agenten, Lockvögel und als sogenannte „Heiratsschwindler(innen)“ tätig. Neuerdings bieten sie sich im im Internet auch mehr oder weniger legal als virtuelle Freundinnen an, oder als Partnersuchende, die in Wahrheit auf nichts als Geld aus sind, sogenannte Love-Scammer. 

In der Grauzone fließt Geld

Zwischen dem Angebot, die Liebe, gegen etwas anderes, Begehrenswertes zu tauschen oder die Lusterfüllung gegen Barzahlung anzubieten, liegt eine Grauzone.

Es ist schwer, sie zu durchdringen und oftmals wird bestritten, dass es sie überhaupt gibt. Ich halte mich deshalb an das Bestehende, das Offenkundige. Es hat den Vorteil, beweisbar zu sein.

Dazu müssen wir uns auf das Gebiet des „Datings“ begeben, und zwar dort wo überwiegend attraktive Frauen und wohlhabende Männer aufeinandertreffen. Das Geschäftsmodell dieser Portale ist immer ungefähr gleich: Frauen können sich anmelden, einen Preisrahmen für ihre „Begleitung“ ihre „Freundschaft“ oder ihre „Beziehung“ innerhalb eines Zeitrahmens hinterlegen, und Männer kaufen dann, das, was sie sich leisten können.  Das können einzelne Dates sein (einmalig), aber auch Reisen (mehrtägig) oder sogenannte „Sugarbaby-Beziehungen“ (meist über mehrere Monate). Die Anbieter, die sich überwiegend in Ländern befinden, in denen Prostitution verboten ist, legen dabei großen Wert darauf, dass sich „unter ihren Mitgliedern keine Prostituierten befinden.“ Übrigens kommt es vereinzelt vor, dass Frauen hier ebenfalls „Sugar Babys“, seien sie männlich oder weiblich, engagieren.

Und wann ist es Prostitution?

Wobei das Wort gefallen ist, auf das ihr möglicherweise gewartet habt: Prostitution. In der Grauzone erwähnt das Wort kein Mensch. Ein Mann wird sagen, dass er seiner Geliebten „finanziell etwas unter die Arme greift“ – und die Geliebte spricht vielleicht davon, dass er „ihr Studium sponsert“.

Neu ist das alle auf gar keinen Fall, und es ist nicht auf lüsterne Männer beschränkt. In längst vergangenen Zeiten sprachen hübsche junge Studenten davon, ein „Schürzenstipendium“ bei einer reichen Witwe zu genießen. Auch manche Damen des 19. Jahrhunderts wussten sehr wohl, dass sich ihr Liebreiz in Bargeld verwandeln ließ, ungeachtet des Risikos einer Schwangerschaft (2).

Trost: Auch Ehen entstehen aus Tauschbeziehungen

Bei all diesen Überlegungen sollten wir nicht vergessen, dass die „Durchmischung“ der Gesellschaft durch Ehen aus unterschiedlichen sozialen Schichtungen durchaus einen Nutzen hat, und dass deshalb der Tausch „finanzielle Sicherheit gegen sinnliche Gunst“ nicht im Prinzip ehrenrührig ist. Möglicherweise fahren wird damit als Gesellschaftsordnung sogar besser als mit der Bildung von Geld- oder Machteliten, die auf „Augenhöhe“ heiraten.

(1) Romantisch im englischsprachigen Sinne: Sexuelle Beziehungen, die nicht zwischen Ehepartner bestehen.

(2) “Frühere Verhältnisse”, Wien 2010, zur reinen Ökonomie normaler Paare empfehle ich, gleich hier weiterzulesen: Es geht um die reine Ökonomie der Liebe. Für das verwendete Bild wurde keine Quelle gefunden.

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