Unterschiedlich sein

wirklich ungleich?

Wirkliche Gleichheit existiert unter Menschen nicht. Wir sind alle Individuen und unterscheiden uns voneinander. Auf der einen Seite gibt es Ähnlichkeiten, die wir aneinander mögen, auf der anderen Seite aber lieben wir auch Unterschiede, die wir „spannend“ finden.

Trifft sich ein Paar mit deutlichen Unterschieden, so benutzen die Soziologen dafür den Ausdruck „Heterogamie“ und beschreiben ihn sehr einfach: Verschiedenartigkeit der Gatten bei der Partnerwahl, beispielsweise in Alter, Herkunft und Konfession.

Auch dieser Begriff wird von Psychologen benutzt, die damit Paare bezeichnen, deren „wesentliche“ Persönlichkeitsmerkmale unterschiedlich seien. Gelegentlich sagen sie auch, es käme dabei auf die „beziehungsrelevanten“ Persönlichkeitsmerkmale an. Dabei neigt die Psychologie dazu, Werturteile in ihre Betrachtungen einfließen zu lassen.

Wie ist es wirklich mit den Unterschieden?

Interessant ist die Praxis, und dort kommt es darauf an, wir die Unterschiede gemeinsam in der Beziehung nutzen können, damit wir miteinander mehr erreichen als alleine. Einfacher ausgedrückt: Unterschiede sind hervorragend, wenn sich die Eigenschaften der Partner ergänzen. Dann entstehen Synergien, also Kräfte, die der einzelne nicht hat, und die nur aus der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Partner entstehen.

Der Makel, der „unterschiedlichen Partnern” nachgesagt wird, beruht auf der Annahme, sie hätten Eigenschaften, die „unvereinbar“ miteinander sind – das ist aber selten der Fall. Wesentlich häufiger ist ein Gefälle in den Vorstellungen, was „der andere für mich sein soll.“ Denn immer dann, wenn wir vom anderen mehr erwarten, als er jemals für uns leisten kann, legen wir den Grundstein des Scheiterns. In seinem Buch „Lob der Vernunftehe“ nennt der Arzt und Paartherapeut Arnold Retzer sieben Gründe, eine Ehe von vorn herein zum Scheitern zu bringen. Einer davon ist die Forderung: „Sei wie ich“, also die Forderung nach „totaler Gleichheit“. Andere „sichere“ Forderungen, die zum Scheitern der Ehe führen, können mit dem Etikett „Hol mich aus meiner miesen Lage heraus“ belegt werden.

Das Fazit – Unterschiedlich sein

Ich kann das so zusammenfassen: Selbstbewusste Menschen sind zumeist unterschiedlich – und das beflügelt ihre Partnerschaft. Sind sie hingegen nicht selbstbewusst, hegen aber dennoch hohe Erwartungen aneinander, so werden sie voraussichtlich scheitern – nicht an ihren Unterschieden, sondern an ihren unrealistischen Erwartungen.

Die Daumenregel bei Unterschieden

Daumenregel: Unterschiedlich zu sein, zu wissen, worin die Unterschiede bestehen, und dabei sicher zu sein, dass man damit leben oder gar einander ergänzen kann, ist die beste Voraussetzung für das Glück in der Ehe. Das gilt besonders, wenn sie erst in mittleren Jahren zusammenkommen. „Alles“ vom anderen zu erwarten, weil man selber überwiegend schwach ist, wird allerdings als Gift für jede Form der Beziehung angesehen.

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