Liebe auf Zeit

Liebe auf Zeit oder die Gunst der Stunde

Sich allein dem Thema „Liebe auf Zeit“ zu nähern, erfordert Mut. Die erste Frage wäre schon: welche Liebe ist eigentlich gemeint? Und die zweite Frage, die sich gleich anschlösse, könnte sein: „auf welche Zeit denn eigentlich?“

Liebe als Gunst

Wenn wir „Liebe“ (passiv) als Beweis der Gunst sehen, oder wenn wir (aktiv) Liebe schenken, weil wir dem anderen „gut sind“, haben wir einen Anker, an dem wir unsere Gedanken festmachen können.

Einst buhlten Ritter, Troubadoure, Dichter und Verführer um die „Gunst der Frauen“, und das, was sie jeweils bekamen, war eben das, was die Dame aus Neigung zu schenken bereit war. Historiker haben lange genug darüber spekuliert, welcher Art die Liebe war, die dabei als Belohnung abfiel – in jedem Fall war es Liebe auf Zeit.

Das Werben um „Liebe auf Zeit“ und die „Gewährung der Gunst“ ist weiterhin als Spiel mit kurzen Flirts bekannt, die mal mit einem Lächeln, mal mit einem Kuss und letztlich auch mit Geschlechtsverkehr belohnt werden. Und wir können auch mehr und mehr Frauen beobachten, die glauben, sich keine Beziehung leisten zu können und deshalb nach kurzen und kürzesten Affären Ausschau halten, um sich selbst sinnlich zu belohnen.

Der „Stand der Dinge“ ist: Sexuell geprägte Affären können ein paar Stunden dauern, aber auch Tage, Wochen oder Monate.

Wahre Liebe oder Liebe auf Zeit?

Und wie war das mit der reinen, der wahren Liebe?

Es ist kompliziert. Denn die märchenhafte Schwester der „wahren Liebe“ ist die Illusion, den anderen zu lieben.

Zufällig sah ich neulich einen Film über die Beziehung einer reichen älteren Dame zu ihrer Haushälterin. Jene behauptete zunächst durchaus glaubwürdig, das was sie täte, sei kein Job, sondern es sei so, dass sie sich als Teil einer Familie fühle. Wenig später kündigte die Haushälterin – es sei ihr „wohl auch um Geld gegangen.“

Ist es überhaupt “Liebe”?

Nun wird es wirklich heikel: Liebt die Grundschullehrerin ihren Schüler? Liebt die Tierärztin ihren hündischen Patienten, um den sie sich liebevoll kümmert? Liebt der Chef seine Sekretärin, mit der er mehr Zeit verbringt als mit seiner Ehefrau? Kann man Liebe auf Zeit empfinden, ist es wirklich eine Art Zuneigung?

Die Antwort verblüfft: Das Gefühl der Liebe lässt sich aktiv erzeugen und passiv erleben, unabhängig davon, was „wirklich“ erfühlt wird. Es liegt im „Glück, Liebe zu geben“ ebenso wie in der Freude, Liebe zu empfangen.

Alles nur manipulierte Liebe?

Es dürfte keine Frage sein, dass sich Gefühle manipulieren lassen, aber das ist nicht wirklich ungewöhnlich: Die Natur spielt ihr Spiel mit den körpereigenen Drogen, was sich schon von vornherein höchst manipulativ auswirkt. Die Frauen ergänzen dieses Spiel durch die Gestik und Mimik des Flirts, der sich leicht manipulieren lässt. Und jeder Mensch fügt all dem seine Lieblingsillusion von der Liebe hinzu.  Die Lebenspraxis zeigt ohnehin: echte und willkürlich erzeugte Gefühle vermischen sich, sei es bewusst oder unbewusst.

Die Gunst der Stunde

Liebe auf Zeit? Diese Art von Liebe bedeutet, die „Gunst der Stunde“ zu nutzen und damit umgehen zu können. Dabei ist es recht günstig, die „Gefühlsmischung“ zu akzeptieren und wenn möglich auch zu beherrschen.

Es ist möglich, dass sich bei einigen Formen der „Liebe auf Zeit“ Gefühle mit wirtschaftlichen Interessen vermischen. Es kann ebenso sein, dass eine Art Gewinnabsicht hinter der „Liebe auf Zeit“ steckt. Und es wäre sicherlich nötig, noch ein paar zusätzliche Worte über die Illusion zu sagen, die sich hinter mancher „Liebe“ verbirgt.

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